Liebgewonnene Wohnschätzchen und neuer Chic

Wir leben in einem schönen Doppelhaus, mit überschaubaren Gartenanteil. Rosen sind das pflegeintensive Grün in unserem Garten, insofern ist er klein, fein, aber zuwendungsbedürftig. Unser Interieur haben wir in den vergangenen Jahren nicht als pflege – bzw. dekointensiv wahrgenommen oder gepflegt. Als wir vor Jahren unser Haus bezogen, nahmen wir unsere alten Möbel, auch meine erste Ikea-Küche, aufgepeppt durch neue Fronten, mit. Gemütlich, aber in die Jahre gekommen präsentierten sich die Möbel wie unsere Dekoration im Charme des beginnenden Millenniums. Orange war dabei das Gebot der Stunde und so wußte eine Freundin von mir die Frage einer anderen Freundin an mich nach meiner Lieblingsfarbe sofort zu kontern: „Orange, das siehst Du doch!“. Bei der am Abend stattfindenden Familienkonferenz ließen wir die Blicke über die Möbel gleiten. An der Stelle, an der einer unserer Familienhunde Whoopie gerne den Sesselrücken zur eigenen Stütze des eigenen genutzt hatte, war auch mit viel Wohlwollen der Lack bzw. der Farbton ab. Unsere überdimensionierten Wohnlandschaft konnte mit Schleifenmusterungen und Blumen überzeugen und wenn man es recht überlegte, waren diese Musterungen wahrscheinlich schon damals, beim Kauf, in die Jahre gekommen. Wir liebten diese riesengroße Wohnlandschaft von ganzem Herzen, aber man musste den Tatsachen ins Auge blicken: Die Zeit der Millennium Möbel war vorbei!

 

Alles nur kein Millennium-Orange

 

Die folgenden Wochen vergangen und wir nutzten die Einladungen befreundeter Paare, um Inspirationen für den  Neuanfang zu sammeln.

Hatten wir vorher die Menschen um ihretwillen besucht, glichen unsere nun folgenden Aufenthalte  Begutachtungsterminen beim Möbelkauf. Uns kamen dabei die Öffnungszeiten unserer Freunde sehr entgegen und auch sonst hatte man die Möglichkeit, wenn man nicht allzu lebhaft an Diskussionen teilnahm, in Ruhe den Blick schweifen zu lassen. Am Ende von ein paar Wochen zogen wir ein erstes Einrichtungs-Resümee: Unser Freundeskreis lebte wie in einem für einen Fernsehfilm eingerichteten Designhaus. Möbel aus Designerhand trafen auf eine Dekoration, die, wie alles, was „leicht“ gemacht aussieht, vermeintlich ein Deka-Team im Hintergrund beschäftigte.

Hier trennte ein Bar-Tresen den Wohn- vom Küchenbereich, der selbstverständlich mit Gas betriebene Herd glänzte. Dort wirkte ein platzreduziertes Highboard wie in den Raum gegossen. Ich fragte mich schon seit unseren beginnenden Möbelschautagen bei unseren Freunden wie es sein konnte, das deren Küchen glänzten als sei dort gerade ein Tatort vor dem Mord gedreht worden und bei mir sah es selbst wenn ich lediglich Nudeln zum Kochen brachte aus, als hätte eine 10-köpfige Großfamilie gemeinsam gekocht, geschlabbert, gelacht und gekleckert. Italienisch halt. Auch die Raumkunst, auch an den Wänden unserer Freunde hatten einiges zu bieten. Bodenständige Skulpturen waren ebenso ein Statement wie die zeitgenössischen Bilder, auch die der heimischen Künstlerinnen und Künstler.

Bei Einrichtungsfragen könnte man glauben, dass wir Physik oder Chemie studiert hätten, so weit entfernt schien unsere Einrichtungsgalaxie von dem was Gepflogenheit der Jetztzeit zu sein schien.

 

Trau Dich und grüble nicht zu lange!

 

Nach Wochen der Inspiration wagten wir uns dann endlich in die Höhle des Löwen, in ein Einrichtungshaus. Wir mussten feststellen, dass die Welt dort halb so schlimm war, wie sie schien, wenn man nur vermutete und noch nicht wußte. Gezielt steuerten wir auf einen Schrank zu, der dann auch bald unserer Wohnzimmerschrank wurde – mit Lichtpaket, versteht sich. Couch, Esstisch, Stühle. Ruck-zuck stellten wir zusammen, trauten uns und waren erstaunt, mit welcher Kühnheit wir unserem neuen Wohnzimmer entgegentraten und nach und nach mehr Leben einhauchten.

Auch die Dekofrage wurde schnell beantwortet. Ein kleines Gardinen – und Dekorationsgeschäft überzeugte mit ansprechender Schaufensterdekoration. Das Klingeln beim Eintreten in die dekorative Stube hielt uns nicht davon ab zu glauben, dass wir dekorationstechnisch in den besten Händen waren. Ein selbstbewußte, junge und lebhafte Frau führte uns in die Welt von Dekokissen, Kerzengläsern und Co. souverän in Richtung geschmackvoller Schnickschnack-Welt. Tüten gestärkt verließen wir das Geschäft und traten damit in die neue Ära ein: Ein Wohnzimmer im Hier und Jetzt.

Ein paar Monate später saßen wir auf unserer teilweise ausfahrbaren Couch, schauten in unser frisch gestrichenes und neu erstarktes Wohnzimmer und wußten nun, dass man sich trauen musste, um etwas Schönes in sein Leben zu lassen. Schick, modern, voller Luft und Farbe passte dieser Raum zu uns, zu unserem Leben und unserer Romantik, die vielleicht manchmal schnörkelte, aber zu uns passte wie unser neues Wohnzimmer-Lebensgefühl.  Schön, dass wir inspirierende Freunde mit ausgesprochen liberalen Öffnungszeiten hatten und dass wir uns trauten, was wir kaum zu glauben hofften.

Nun kommen wir erst einmal zur Ruhe, aber dann gehen wir auf Entdeckungstour, denn unsere Ikea-Küche ist auch etwas aus der Zeit gerückt.

Was ist Eure Erfahrung mit neuen Möbeln. Wir sind gespannt auf Eure Geschichten unter hallo@frau-fantastica.de oder auf Facebook.

Veröffentlicht von

Bianca Dausend ist seit nunmehr 20 Jahren erfolgreiche Beraterin, Coach und Eventmanagerin. Kreative Ideen, zielgruppenorientierte Events und zukunftsorientierte Marktpositionierung sind ihre Stärke.